ARUNACHAL PRADESH

FAHRT NACH PASIGATH (07.12.2018)

Heute war ein spezieller Tag. Wir werden die Fähre über den Brahmaputra nehmen und ich war gespannt, wie das wohl werden würde, welche Art von Fähre uns erwarten würde. Die Fahrt von Dibrugarh zum Hafen war dann durch riesige Teeplantagen auch relativ kurz. Schon von weitem erkannt ich zu meinem Erstaunen eine lange Brücke. Mein Guide meinte, dass nach 16jähriger Bauphase das Ende des Fährbetriebes in Aussicht steht. Faktisch wurde die Brücke Mitte Dezember eröffnet und dies würde die Schiffe hier überflüssig machen.

Wir erreichten den „Hafen“ über eine provisorische sandige Strasse. Denn die Ablege Stelle befindet sich je nach Wasserstand an verschiedenen Stellen auf der Sandbank. Da standen einfache Hütten am Wasser und ein halbes Duzend Schiffe. Ein jedes fasste zwei bis drei Autos, quer über die Ladefläche parkiert, etliche Motorräder und natürlich alle Passagiere, die sich einfach einen freien Platz auf dem Schiff suchten. Das Beladen verlief äusserst gemächlich und bedarf auch etwas Mut des Fahrers. Mon schien dieser Herausforderung mit Leichtigkeit zu meistern. Unser Jeep hatte auf dem Deck gerade so Platz. Und nach einer indischen Weile waren wir bereit, abzulegen.

Die Überfahrt dauerte ca. eine Stunde und da der Wasserpegel relativ tief war, hatte der Kapitän eine strikte Route zu wählen. Mehr oder weniger entlang der Brücke schipperten wir vorbei an grossen Sandbänken, die nach jedem Monsum wieder anders liegen, zur anderen Seite. Es war eine entspannte Überfahrt, auf welcher Tee und Snacks gegen Barzahlung servierten wurden. Abgeladen war sehr zügig, die freilebenden Schweine kümmerte das Geschehen offenbar wenig.

So waren wir bald wieder unterwegs, diesmal mit einem Gast an Board, der sich auf der Überfahrt wohl bei Teiso eingeschmeichelt hat. Mir war es recht, so hatte ich für die nächsten Kilometer eine nette Unterhaltung mit ihm. Die Gegend veränderte sich nicht stark ausser, dass es auf dieser Seite kaum noch Teeplantagen gab, dafür umso mehr Reis. Schon im Kleinkindalter spielen die Kids mit den scharfen Erntemesser, so ganz natürlich, wow.

Neu waren auch überall die herumlaufenden Hängebauch- oder Hausschweine. Zu duzenden fanden wir sie hier überall in den Dörfern. Was auch auffiel, waren die auf Stelzen gebauten Häuser. Wohl die logische Konsequenz, wenn der Brahmaputra oder seine Zuflüsse im Frühjahr massiv mehr Wasser führen. Dies bringen in dieser Gegend viel Gestein vom Gebirge in die Ebene, welche jetzt im Winter für Bauarbeiten gesammelt werden, wie in Simen Chapori. So nutzen sie alles, was ihnen die Natur schenkt.

Nach der Grenze Assam – Arunachal Pradesh machten wir in einem typischen Adi-Gallo Dorf mit Sicht auf die fernen Ausläufer des Himalayas halt, um ins Dorfleben dieser Stämme einzutauchen. Der Adi-Gallo ist eine der grössten Stämme und besteht aus über 100 Untergruppen. Auch hier faszinierten mich das Dorfleben, z.B. die Reismehlmaschine, und die Kinder sehr, wie sie mit einfachen Dingen Spiele spielen, vergnügt und auch offen für fremde Besucher sind. Wahrlich eine herzliche Begegnung.

Nach dem Dorf erreichten wir schon bald Pasighat, eine die ersten Städte erbaut vor über 100 Jahren, und damit mein Hotel „Serene Abode“. Ein kurzer Besuch des lokalen Marktes rundete meinen erfüllten Tag ab.

FAHRT NACH AALO & AALO (08.12.2018 – 10.12.2018)

Am nächsten Morgen ging es früher los als sonst. Denn die Strassen würden sich nun drastisch verschlechtern, spätestens ab Komsing, und man würde sehr viel Zeit benötigen, da durchschnittlich nur mit Schritttempo gefahren werden konnte. Beim Hotel fingen sie gerade an, ein tiefes Loch zu bohren. Als Schutz vor den herumfliegenden Steinen reichte dem Bohrmeister ein ganz normaler Regenschirm … warum etwas teures anschaffen, wenn es einfach geht.

Anfänglich und nach dem Checkpoint ging es zuerst auf einer neu geteerten Strasse flott den Berg hinauf. Der Sponsor sei die nahe Power Company. 

Noch auf diesem Wegstück entlang des Brahmaputra machten wir relativ früh halt, um durch ein weiteres Dorf der Adi zu schlendern. Toll, nochmals die Füsse vertreten. In dieser Gegend wachsen überall ganz natürlich Mandarinen und Orangen. So auch hier im Dorf und für den Verkauf werden daher super praktische Netztragtaschen hergestellt. Was für eine zufriedene Tätigkeit, an der Morgensonne die kostengünstigen Taschen zu 100RP (0.70 CHF) zu flechten. Rundherum hatten die Kids genügend Raum für ihr Herumtollen und das Nachmachen einer Kameralinse.

Die meisten Einwohner dieser Gegend folgen der Donyi-Polo Religion. Was soviel bedeutet wie Sonne-Mond und dass alles einem Gott (Sedi) zugesprochen wird, der das ganze Universum hervorbringt und kreiert. So sind alle Dinge und das ganze Sein ein Bestandteil dessen … seine Haare sind die Pflanzen, seine Tränen das Wasser und der Regen, seine Knochen die Berge und Gesteine und seine zwei Augen den Mond und die Sonne. So gesehen sind wir alle Teil von einem Ganzen … was meiner eigenen Philosophie entspricht, einfach etwas anders formuliert. Wir kommen als Mensch vorübergehend vom gleichen Ursprung und gehen dorthin zurück, sind also nie von ALLem getrennt.

So, nach dieser philosophischen Einlage setzten wir unseren Weg fort … nach Komsing und entlang des Siyom Rivers auf einer Rüttelpiste sondergleichen. Hätten wir Vollrahm mitgeführt, wäre dieser sicher am Ende steif geschlagen gewesen. Dazwischen hielten wir dann und wann an, um ein paar Bilder zu machen oder eine Hängebrücke zu begehen. Ihre Bauweise war sehr interessant, umso mehr, als dass sie auch von Rollerfahrer genutzt wird. Obwohl der ausgelegte Bambus zum Teil wesentliche Löcher aufwiese. Kein Problem für den Fahrer, auch wenn da mal andere entgegenkamen. Mit gegenseitiger Rücksicht ist alles machbar, Respekt ist das Stichwort.

Natürlich durfte ein weiterer Dorfbesuch nicht fehlen. Es schien, dass für die kommenden Festtage vielerorts Reiswein vorbereitet wurde. Zu diesem Zweck röstet man die Reisschale/ die Spelzen dunkelbraun bis schwarz, mischt es mit gekochtem Reis und Hefe und schüttet alles mit Wasser in einen grossen Eimer. Nach wenigen Wochen der Garzeit ist der Wein fertig.

Endlich erreichen wir Aalo. Die Sonne ist bereits weg und wir fahren durch die Stadt. Beleuchtung gibt’s oft nur durch die Verkaufsläden und Autoscheinwerfer. Ich freute mich auf das Guest House. Ev. lag es ja in Geh Weite zum Dorf, damit ich mich noch etwas Umschauen konnte. Tia. wir liessen das Dorf hinter uns und die Nacht umhüllte uns erneut. Nach einer halben Stunde hielten wir vor einem robusten Eisentor und es wurde uns Durchlass gewährt. Ich fragte mich schon, wo ich denn nun gelandet sei. Es war ein grosses, schönes Anwesen mit einem riesigen Gästehaus. Die Besitzerin begrüsste uns herzlich und im Nu war mein Dorfbesuch vergessen. Guter Laune und bei einem feinen traditionellen Nachtessen liessen wir im Gemeinschaftsraum bei offenem Feuer den Tag ausklingen.

SIYOM RIVER HIKE & VILLAGE (09.12.2018)

Ich war wie immer früh auf und machte vor dem Frühstück eine Besichtigung des Anwesens. Auf dem Balkon machte ich mir erst mal ein Bild davon. Oh, da war ja Nebel überall. Hm, muss wohl an den tiefen Nachttemperaturen liegen und dem nahen Fluss. Ich sah Wasserläufe, dort ein kleiner See und überall wunderbare Pflanzen, Mandarinenbäume, Mangos und Blumenbete. 

Der heutige Tag sollte der Entspannung und Erholung dienen. Auf dem Programm stand eine Wanderung entlang des Siyom Rivers und Besuche in Dörfern, ganz ungezwungen.

So machten wir uns nach dem Frühstück – ein English Breakfast mit einer Gruppe hungriger Inder-Inder, also aus dem Süden des Landes – auf den Weg. Nach einer kurzen Fahrt beschlossen wir spontan, ein nahes Dorf zu besichtigen. Ein Gauerbulle (auch Gayal, Mithun) kreuzte davor unseren Weg. Dieser grösste Vertreter der Rinderart wiegt über 1 Tonne, kann bis zu 3.3m lang und 2.2m hoch werden. Es war ein Prachtexemplar.

Im Dorf selber kannte Teiso die Frau eines Bewohners. Nach einem kurzen Schwatz spazierten wir weiter. Ein junger Mann schnitzte gerade einen Stiel für seine Axt und andere waren daran, ein neues Haus zu bauen. 

Mon wartete geduldig auf uns und nach einem weiteren Stück auf der Strasse erreichten wir den Ausgangsort und überquerten dort den Fluss. 

Auf der anderen Seite entdeckten wir eine Gruppe bengalischer Fischer, die während der Winterzeit hier am Fluss lebten, nicht ganz zur Zufriedenheit aller. Das interessierte uns natürlich und schnell kamen wir mit ihnen ins Gespräch.

Herrlicher Sonnenschein begleitete uns auch an diesem Tag. Mir fiel erst jetzt auf, dass es gar noch nie geregnet hatte und würde es auch nicht. Der Wanderweg war gut ausgebaut. Am Flusslauf beobachteten wir weitere Fischer und eine Gruppe Jugendlicher, die ein Picknick veranstalteten. Sie hatten Reis, ein ganzes Huhn und natürlich Reiswein dabei. Alles wurde zusammen gerupft, gekocht und geteilt, auch mit uns. Es war eine ausgelassene Stimmung am Platz. Ein, zwei Ältere gaben auf die Jüngeren acht, so wie sie es vom Dorf her kennen.

Wir zwei gingen bald weiter, machten Rast inmitten von Mandarinen und erreichten schliesslich nach einigen wenigen Stunden das Ziel. Weiter oben war ein Dorf sichtbar und so stiegen wir den Weg hoch, ungewiss was uns dort erwarten würde. Die Palmstroh-Häuser waren im ganzen Hang verteilt und wir sahen nicht allzu viele Einwohner. Irgendwann trafen wir dann eine Gruppe von Frauen, die tüchtig am Reiswein vorbereiten waren. Sofort gehörten wir dazu und konnten uns frei im Haus bewegen, es war eine Art Mehrzweckraum für das Dorf. Auch hier verteilten wir den Kids etwas Süsses und sie hatten die helle Freude daran. Uns zog es weiter und verabschiedeten uns. 

Weit kamen wir nicht. Kaum hundert Meter hinabgestiegen, fanden wir uns in einer Party wieder. Alles geschah sehr schnell und wir sassen auf der Veranda des Eigentümers, tranken Reiswein und assen köstliche Grilladen von Huhn, Fisch, Schwein und Beef, dazu eingewickelter Reis in Blätter. Der Wein floss überall in Mengen. Im Haus selber segnete ein Priester Heim und Besucher, auch ich wurde eingeladen und als Zeichen wurde mein Gesicht mit einer Reispaste bestrichen. Die fröhliche Stimmung intensivierte sich im Laufe der Zeit … und ich glaube, der ausgiebig getrunkene Wein war der Grund für das weitere Geschehen. Die Paste wurde nicht mehr sanft auf die Wangen gestrichen, nein, sie wurde über Kopf und Kleider geleert. Sie verschonten mich dabei nicht und viele trieften nach einer Weile vor sich hin, die Kleider neu in Weiss eingefärbt. Wow, eine mega Party, ich passte einfach auf, dass das Linsenglas nicht verschmiert wurde … schliesslich ergaben sich hier Bilder von persönlich grossem Wert.

Tia, angesäuselt und happy verliessen wir die Party und Mon brachte uns sicher nach Einbruch der Nacht nach Hause ins Gästehaus.

FAHRT NACH DAPORIJO (10.12.2018)

Etwas angeschlagen vom Vorabend machten wir uns heute auf den Weg. Die Stimmung im Auto war entsprechend ruhig. Frische Luft tat uns gut beim Besuch eines Dorfes. Teiso schaffte es sogar, für einen älteren Bewohner etwas Holz zu hacken. Im Gegenzug zeigte er uns sein zu Hause. Seine einseitig gelähmte Frau und seine Tochter waren auch da.

Am Ende des Dorfes fühlten wir uns schon merklich besser. Eine weitere Unterhaltung mit einem Heimischen schloss den Spaziergang ab. Die nächsten 7 Stunden werden wir im Auto verbringen … die Strasse war ähnlich jener von gestern, wenn nicht etwas herausfordernder. 

Auf jeden Fall erreichten wir wiederum bei Dunkelheit die Stadt Daporijo, welche sehr im Aufbau war und daher unzählige Baustellen aufwies. Meine einfache Bleibe, das Singhik Hotel, mit einem riesigen Zimmer im 3. Stock reichte mir völlig aus. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dieser Stock für die Touristen ausgebaut wurde und die darunter liegenden Stockwerkzimmer noch in einem anderen Zustand sind. Wie auch immer, nach einem frisch zubereiteten Dinner à la Karte und der entsprechenden Geduld dafür, war es Zeit für einen tiefen Schlaf.

FAHRT NACH ZIRO & ZIRO (11.12.2018 – 13.12.2018)

Nebelschwaden durchstreiften das Land und den Himmel. Auch Daporijo war in den Morgenstunden verhangen. Dieses Naturschauspiel liefert oft mystische Bilder. Wie schon so oft, begab ich mich vor dem Frühstück auf die Strasse. Da und dort entzündeten die einfach lebenden Bewohner ihre kleinen Feuer vor der ihren Wellblechhütten, um den Abfall zu entsorgen und ihre Morgentoilette wie Zähneputzen am warmen Feuer zu erledigen.

Heute war ein ähnlich langer Weg zu erwarten. Dementsprechend brachen wir früh auf, damit wir vielleicht mal vor Dunkelheit am Zielort eintreffen. Da wir gestern erst bei Dunkelheit ankamen, ging wir heute nochmals etwas zurück, um die Brücke im Ort näher anzuschauen. Auch nahmen wir uns die Zeit für einen kurzen Besuch im lokalen Markt.

Der Dschungel unterwegs war dicht bewaldet mit vielen Farnen, Büschen, Bananenstöcken, Bambus und auch riesigen Weihnachtssternen, ein richtiger Regenwald eben. Die Fahrt führte uns zunächst in die Höhe, wo sich vor uns ein regelrechtes Nebelmeer ausbreitete. 

In unzähligen Kurven bewegten wir uns entlang der Hügel. Es kam mir so vor, dass hinter jeder Kurve sich ein neues Tal auftat. Zwischendurch mussten wir einfach anhalten, um die Aussicht zu geniesse oder einen Baumpicker zu beobachten. Erstaunlich war auch, dass sich der Regenwald irgendwann zu einem Föhrenwald verwandelte. Es gab dort nur Tannen wie in Kanada. Das war ein ganz spezieller Moment und ich fragte mich, wie diese Wälder hierherkamen. 

Eine Tee Pause in Raga tat gut, um die Beine etwas zu vertreten und die Weihnachtssterne genauer zu betrachten. In Tamen überquerten wir eine massive Stahl-Brücke, die wohl einige Geschichten erzählen könnte. Ab hier verbesserte sich die Strasse sehr und wir kamen zügig voran.

Tia, wir erreichten Ziro um 18 Uhr, also nichts vor Einbruch der Dunkelheit J. Es war kalt hier. Mein angebautes Zimmer versprach eine frische, wenn nicht sehr kühle Nacht. Es hatte zwar eine Elektroheizung, die ich jedoch ungern benutzen wollte. Zwei Decken sollten genügen. So hielten wir uns am Abend im warmen Esszimmer der Gastfamilie „Abasa Homestay“ auf, genossen das beste Essen auf meiner Reise und unterhielten uns rege. Ich verliess diese warme Stube mit ihrer familiären Atmosphäre erst, als ich definitiv schlafen ging. Vorher war es mir zu kalt im Zimmer. Dick eingepackt war die Kälte dennoch im kurzen Pyjama spürbar. Dementsprechend hatte ich nur einen leichten Schlaf und war froh, als es langsam Tag wurde.

VILLAGES VON ZIRO (12.12.2018)

Ziro liegt auf einem Hochplateau und der Abatani Stamm ist hier weitverbreitet. Die Besonderheit dieser Menschen ist, dass sich die Frauen früher ein Nasen-Piercing in Form eines 1cm breiten Holzplättchens machen liessen und auch ihr Gesicht tätowierten. Die Männer knöpften ihre Haare zu einem Knoten. Ich freute mich auf diese Begegnungen.

Als ich aufstand musste ich mir überlegen, zu duschen oder es für einmal sein zu lassen. Ich entschied mich für das kühle Nass, gefühlt etwa 4 Grad. Es war für mich mehr als eine Überwindung. Ganz unter die Brause zu stehen kam daher nicht in Frage. Es reichte, den Kopf einzuschäumen und ihn dann auszuwaschen, den Oberkörper nach vorne gebeugt, damit nicht allzu viel kaltes Wasser über den Rücken hinunterfloss. Da mein Zimmer ca. 6-8 Grad hatte, redete ich mir ein, dass ich nachher angezogen sehr warm haben werde. Na ja, es war wärmer als unter der Dusche. Meine Finger spürte ich anfänglich fast nicht mehr.

Gut, draussen sah ich die aufgehende Sonne und es motivierte mich, einige Bilder vom Morgenschauspiel mit dem Nebel zu machen. Um meine Batterien zu schonen, durften meine Kameras übrigens mit mir unter der Decke übernachten. Ich spazierte so um 7 los, die Gräser und Blätter hatten Eiskristalle. Also doch, es war 0 Grad oder kälter in der Nacht. Die Sonne begann bereits, die Natur mit ihren wärmenden Strahlen zu umarmen, ein schöner Anblick

Das Frühstück war köstlich und der Toast mit Tee mundete nach meinem Spaziergang in der Kälte sehr. Danach brachen wir auf, denn wir hatten ein reichhaltiges Programm vor uns, die Besichtigung von 4 Dörfern in der Umgebung: Dutta, Hija, Bamin Michi und Mudang Tage, dann zum Aussichtsturm Ziro Putu und am Schluss lokales Handwerk und den Mark in Ziro.

Wir begannen mit den Dörfern. Eine Besonderheit sind die speziellen Rednerpodeste, wo auch heute noch Männersitzungen des Dorfes zu wichtigen Themen abgehalten werden.

Schlendert man durch das Dorf, so fallen merkwürdige Gestecke auf, welche Federn, leere Eierschalen und kleine Körbchen enthalten. Ich liess mir sagen, dass der Schamane des Dorfes bei Krankheiten in einem Haus konsultiert wird, um zu prüfen, ob die Person von einem Geist befallen wurde, der ihr das Blut saugen möchte. Dabei pendelt er ein Ei über dem Körper. Schlägt es aus, so ist ein Geist sehr wahrscheinlich. Wenn nicht, sollte die Person ins Spital für weitere Untersuchungen gebracht werden. Mittels Rituals wird eine befallene Person geheilt und als weiteren Schutz werden eben solche Gestecke ausserhalb des Hauses aufgestellt. Ein ähnliches findet im nahen Wald an einem heiligen Ort seinen Platz. Die Gestecke lenken den Geist vor Besitznahme ab, da sie durch ein Blutopfer (Huhn, Schwein, Rind) aktiviert wurden.

Wir trafen in den Dörfern auch auf die ausdruckstarken älteren Frauen mit ihren Nasen Plugs. Wie auch schon gelesen habe, vermeiden sie heute, dass sie fotografiert werden. Teiso mit seiner einfühlsamen Art schaffte es jedoch fast immer, dass wir nach etwas Geduld ein Bild machen durften. Manchmal hiess es, ihnen ein kleines Geschenk in Form von Rupien zu geben. Er erklärte mir auch, woher diese Tradition kommt. Es gibt dazu zwei Geschichten:

  1. Da andere Stämme, z.B. die Nashi, Polygamie lebten und es für einen Nashi-Mann recht kostspielig werden könnte, bedienten sie sich früher von Frauen anderer Stämme. Damit diese erkennbar blieben, liessen sie sich tätowieren und die Nasen Plugs setzen.
  2. Es gab da eine wunderschöne Tochter einer Familie. Es ist üblich, dass die Frau ihren Mann auswählt. Die Tochter erhielt jedoch aufgrund ihrer Schönheit keine Angebote, so dass sie sich etwas „verunstalten“ liess, damit sie Angebote erhielt.

Ich finde es so oder so beeindruckend und ein gewisser Stolz ist spürbar. Apropos Stolz … manch ein Dorfbewohner unterhält seinen eigenen Bambus-Wald. Diese Wälder sind voll von relativ dünnen Bambusstangen. Wir hatten das Glück, dass uns solch ein Wald gezeigt wurde. Voller Stolz fällte er einen für uns. Der Bambus wächst innerhalb eines Jahres auf eine Höhe von 5m, benötigt dann jedoch nochmals 2 Jahre, um die Qualität zu erlangen, dass die Stangen auch genützt werden können.

Nahe dem Flughafen befindet sich eine Art Aussichtspunkt, den Ziro Putu. Am Schluss der mehrstündigen Dorfrunden liessen wir uns dort nieder, um das Erlebte zu verinnerlichen, und einfach die Stille zu geniessen. Gerade zu abendlicher Stunde ist das Licht optimal, einzutauchen in diese wunderschöne Gegend.

Es war an der Zeit, die lokal Handwerksfabrik und der Markt warteten. So machten wir uns auf. Leider waren nur wenige Künstler in der Fabrik, da stellte einer die Hocker her, ein anderer bemalte Bambusbecher und in einem anderen Raum webten Frauen die typischen Umhänge und Tücher. Ich liebe diese Art von Farbe und Gewänder.

Langsam müde vom voll erfüllten Tag und den Spaziergängen, besuchten wir nach einer Tee Pause doch noch den Markt. Mich beeindruckte vor allem die Herstellung der Buschmesser. In diesem Land hat jedes Messer sein eigenes Aussehen und Verzierungen, je nach Stammeszugehörigkeit. Das Metall darunter bleibt jedoch gleich.

Zurück im Homestay trafen wir dann auf eine Familie aus dem Süden. Es waren Fotografen auf der Suche nach Vögel Motiven. Da ich mich wieder etwas fitter fühlte, spielten wir draussen noch eine Runde Badminton bevor wir dann in die warme Stube gingen, um uns einer schmackhaften Mahlzeit zu erfreuen.

Ein wirklich intensiver Tag neigte sich dem Ende zu. In dieser Nacht nahm ich 3 Decken und meinen Seidenschlafsack. Das war die Lösung, ich schlief wunderbar tief. Namaste auf Ziro und seine Bewohner!

SCHLUSSWORT (08.02.2019)

Zurückblickend war diese Reise jede Minute wert. Was bleibt sind herzensberührende Erinnerung mit 5000 Bildern, Begegnungen und Momente mit der Natur und vor allem mit den Menschen, allen voran den Kindern, in dieser Ecke von Indien, nahe den Bergen des Himalayas und umgeben von Myanmar, Sikkim und Bhutan. Länder, die ich bereits früher besuchen durfte. So schliesst sich der Kreis, das Bild vervollständigt sich und ich bin unendlich dankbar für die Zeit, die ich hier verbringen durfte. 

Namentlich bedanke ich mich bei Teiso Yhokha, meinem Guide, bei meinem Fahrer Manoranjan Rhaba und bei Helen Kämpf von Terralaya Travels für die ganze Organisation und ihre wertvollen Tipps und die Unterstützung. Es ist mir eine Freude, diesen Bericht für sie alle und die Menschen in Nord Ost Indien zu schreiben. 

Möge es euch, liebe Leser, inspirieren, auf Reisen zu gehen, die Stricke loszulassen, die Segel zu setzen und anderen Kulturen, auch sich selbst, zu begegnen. Reist man mit dem Herzen, so wird einem viel geschenkt. Es war für mich ein rundum Wohlfühl-Paket und ich bin mir sicher, dass wir uns alle wieder begegnen werden. Namaste auf das Leben!

Link Sammlung:
www.terralaya.com für eine unvergessliche Reiseplanung

Sikkim.ch – mehr Informationen über Nord Ost Indien

Auswärtiges Amt.de zur Information über Land und Leute und Sicherheitshinweise