Die Reihenfolge der Farben und was das zu bedeuten hat

Gebetsfahnen sind besondere Merkmale im tibetischen Kulturraum. Der tibetische Begriff „rlung rta“ (ausgesprochen „lungta“) bedeutet zu deutsch „Windpferd“. Der Begriff spiegelt demnach wieder, was mit den bunten Fahnen symbolisch bezweckt wird. Die auf den jeweiligen Fähnchen bedruckten Gebete in Form von Mantras sollen mithilfe des Windes dem Himmel zugetragen werden. Dazu werden die Fahnen im freien aufgehängt und bis zu ihrer vollständigen Verwitterung dem Wind ausgesetzt. Erst so „erreichen“ die Gebete den Himmel. Besonders auf Bergpässen und Berggipfeln sind diese im Himalaya oft vorzufinden. Natürlich dürfen die Gebetsflaggen auch nicht an buddhistischen Tempelanlagen in Nepal fehlen, die unter Einfluss der tibetischen Kultur stehen.

Oft ist auf den jeweiligen Fähnchen auch das tibetische Windpferd selbst mit abgebildet. Mithilfe der Windpferde sollen die Gebete noch wirksamer den Himmel getragen werden.

In den vier Ecken der rechteckigen Fähnchen befinden sich auch häufig weitere Tiersymbole. Diese sogenannten Symboltiere verkörpern die vier Himmelsrichtungen und umrahmen das Windpferd im Zentrum – wieder einmal die Zahl 5.

Die vier Symboltiere sind der Garuda (halb mensch-, halb adlergestaltiges Reittier), der Drache, der Tiger und der Schneelöwe.

Nichts ist bei den Gebetsfahnen dem Zufall überlassen. Hinter dem bunten Chaos steckt viel Symbolik. Die Gebetsfahnen sind immer – sofern die Symbolik der Farbe verwendet wird – in einer Reihenfolge von fünf Fähnchen in den Farben Blau, Weiß, Rot, Grün und Gelb! Jede Farbe steht für ein explizites Element der Welt. Blau symbolisiert den Himmel, Weiß symbolisiert die Luft, Rot steht für das Feuer, Grün steht für das Wasser und Gelb verkörpert das Erdelement. Selbst die Zahl fünf trägt eine wichtige Symbolik im tibetischen Buddhismus in sich. Sie verkörpert das Zentrum und die vier Himmelsrichtungen, von denen es ausgeht. Auf den Gebetsfahnen selbst sind buddhistische Symbole sowie Gebete bedruckt. Häufig kommt dabei das bedeutendste tibetische Mantra „Om Mani Padme Hum“ in ihnen vor. Im tibetischen Buddhismus steht das Mantra „Om Mani Padme Hum“ als Ausdruck der grundlegenden Haltung des Mitgefühls gegenüber allen Lebewesen.

Mein persönliche und Lieblingsplatz war überhalb vom Kloster Rumtek Dharma Chakra Centre ein paar Schritte bergauf und man steht mitten in einem Meer von Gebetsfahnen, sowie hier habe ich an keinem anderen Platz in Indien gesehen. Nehmt Euch die Zeit, und setzt auch zwischen den vielen Gebetsfahnen und geniesst den Moment, er war für mich unvergesslich.